Frisch vom Dach

Der Lankwitzer Pflücksalat braucht 23 Tage vom Dach bis ins Supermarktregal

Direkt über einem Supermarkt werden täglich frische Salate geerntet: Unter dem gläsernen Dach des Rewe Green Farming Marktes in Berlin-Lankwitz produziert Deutschlands größte Dachfarm bis zu 900 000 Salatmischungen pro Jahr. Das Projekt ist eine Kombination aus urbaner Landwirtschaft, regionaler Lebensmittelversorgung und nachhaltigem Holzbau

Wer bei abgepacktem, vorgeschnittenem Salat normalerweise skeptisch ist, liegt oft nicht falsch. Häufig haben die in Plastiktüten verpackten Produkte bereits lange Transportwege und mehrere Verarbeitungsschritte hinter sich. Anders ist es bei der Lankwitzer Dachfarm: Hier wird der Salat täglich an Ort und Stelle auf dem Supermarkt geerntet, verpackt und anschließend in den Verkauf gebracht, fertig zum Verzehr. Die kurzen Wege machen sich bei Frische, Geschmack und Konsistenz bemerkbar.Mit dem Green Farming Markt in Berlin- Lankwitz hat sich die Lebensmittelproduktion einen ungewöhnlichen Standort erobert: Über der hölzernen Markthalle ist Deutschlands größte Dachfarm entstanden. 

Betrieben wird die gläserne Dachfarm vom Berliner Unternehmen ECF Farmsystems, das auf urbane Lebensmittelproduktion spezialisiert ist. In der Anlage wachsen verschiedene Salatsorten, darunter Kopf-, Römerund Lollo-Rosso-Salat sowie dunkelgrüner Easy-Leaf-Salat. Die Pflanzen gedeihen in einem automatisierten hydroponischen System nahezu ohne Erde. Stattdessen wachsen sie auf speziellen Trays und werden mehrmals täglich mit einer Nährstofflösung versorgt. 

Vom Aussäen bis zur Ernte vergehen lediglich 23 Tage. Nach der täglichen Ernte wird der Salat direkt im Gebäude verarbeitet, verpackt und für den Verkauf vorbereitet. Die Produktion erfolgt damit unmittelbar dort, wo ein Teil der Ware später gekauft wird. Langfristig können auf der Dachfarm bis zu 900 000 Salatmischungen pro Jahr produziert werden. Von Berlin- Lankwitz aus werden neben dem Markt vor Ort auch zahlreiche weitere Märkte in Berlin mit dem frischen Salat beliefert.

REWE Green Farming Berlin Luftaufnahme

Nachhaltigkeit als Teil des Konzepts 

Die Dachfarm ist Teil eines umfassenden Nachhaltigkeitsansatzes. Das Gebäude wurde weitgehend aus Holz errichtet und setzt auf eine modulare Bauweise, die eine spätere Wiederverwendung von Bauteilen erleichtern soll. Sichtbare Holzsäulen prägen das Erscheinungsbild der Markthalle und machen den Baustoff zu einem zentralen Gestaltungselement. 

Auch bei der Bewirtschaftung der Dachfarm kommen ressourcenschonende Lösungen zum Einsatz. Regenwasser wird gespeichert und für den Anbau genutzt. Zudem fließen Abwärme aus dem Markt und die Energie einer Wärmepumpe in den Betrieb ein. Dadurch entsteht ein Kreislaufsystem, das Handel und Lebensmittelproduktion miteinander verknüpft.

REWE Innensicht. Holz, viel Tageslicht und breite Gänge im Lankwitzer Markt, oben wächst der Salat

Modell für die Stadt der Zukunft? 

Die Dachfarm in Lankwitz zeigt, wie ungenutzte Flächen in Städten für die Lebensmittelproduktion erschlossen werden können. Während urbane Gewächshäuser bislang meist Pilotcharakter hatten, erfolgt der Anbau hier im deutlich größeren Maßstab. Die Kombination aus Supermarkt, nachhaltigem Holzbau und regionaler Produktion gilt als beispielhaft für neue Konzepte der Nahversorgung. 

Damit ist in Berlin ein Ort entstanden, an dem Landwirtschaft nicht mehr auf dem Land stattfindet, sondern mitten in der Stadt: sichtbar, alltagsnah und direkt über den Köpfen der Kunden.

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