Comeback eines Klassikers

Das Kino International ist zurück – und mit ihm ein Stück lebendige Filmgeschichte. Nach seiner umfassenden 18‑monatigen Sanierung strahlt das ikonische Haus an der Karl‑Marx‑Allee wieder in jener Mischung aus Ostmoderne, Grandezza und urbaner Leichtigkeit, die es seit den 1960er‑Jahren zu einem der prägendsten Premierenkinos Deutschlands gemacht hat.

Das Kino International ist wieder das, was es immer war – ein markanter Fixpunkt der Berliner Kinolandschaft –, aber unter der Oberfläche hat sich so viel verändert wie seit seiner Eröffnung 1963 nicht mehr. Die umfassende Sanierung hat das Haus an der Karl‑Marx‑Allee technisch in die Gegenwart geholt, ohne seine charakteristische Handschrift der Nachkriegsmoderne zu verwischen. Gerade weil die Eingriffe tiefgreifend waren, zeigt sich nun, wie präzise und handwerklich anspruchsvoll gearbeitet wurde – und wie stark Berliner Betriebe an dieser Restaurierung beteiligt waren.

Manufakturen am Werk

Der große Saal mit seinen Holzvertäfelungen, den Kristallleuchtern und dem ikonischen silbernen Premierenvorhang wirkt vertraut, aber spürbar verjüngt. Hinter dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit steckt enorme Detailarbeit: sieben Kilometer Wandlamellen aus Kirschbaum, Ulme und Esche wurden einzeln ausgebaut, gereinigt, repariert und wieder eingesetzt – ein Prozess, der nur mit spezialisierten Handwerksbetrieben möglich war. Auch der berühmte Vorhang, dessen 20 Millionen Pailletten über Jahrzehnte Patina angesetzt hatten, wurde in einem Berliner Atelier aufwendig restauriert und teilweise rekonstruiert.

Parallel zur denkmalgerechten Restaurierung wurde die gesamte technische Infrastruktur erneuert. 40 Kilometer Installationsleitungen, 20 Kilometer Fernmeldeleitungen und 3,5 Kilometer Rohrleitungen wurden ersetzt – ein Eingriff, der eine vollständige Schließung erstmals in der Geschichte des Hauses notwendig machte. Die neue Heiztechnik senkt den Energiebedarf um rund 70 Prozent, und mit einem Christie‑Laserprojektor sowie Dolby‑7.1‑Sound erreicht das Kino nun internationale Festivalstandards. Auch der Komfort wurde modernisiert: neue Polster, mehr Reihenabstand, 506 Plätze statt früher über 600, dazu ein Aufzug und barrierefreie Sanitäranlagen.

Zusammenspiel von Stadt, Handwerk und Kultur

Dass das Kino International heute wieder so selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis eines fein abgestimmten Zusammenspiels aus öffentlicher Förderung, privatem Engagement und fachlicher Expertise.

Die Gesamtkoordination der Sanierung lag bei Dickmann Richter Architekten, die die denkmalgerechte Planung verantworteten und die komplexen Abläufe zwischen Denkmalschutz, technischen Gewerken und ausführenden Handwerksbetrieben steuerten. Das Büro führte die gestalterischen, technischen und organisatorischen Ebenen des Projekts zusammen und sorgte dafür, dass Eingriffe und Restaurierungen präzise aufein­ander abgestimmt wurden. Zahlreiche Fachbetriebe – darunter die IABU Ingenieurgesellschaft mbH, die die sicherheits- und gesundheitsschutztechnische Koordination verantwortete – trugen dazu bei, dass die komplexen Bauabläufe sicher und effizient umgesetzt werden konnten.

Auch die technische Modernisierung lag in den Händen spezialisierter Unternehmen: So integrierte die Firma Silentas moderne Lüftungs-, Kälte-  und MSR-Systeme behutsam in die denkmalgeschützte Struktur, während die ABK Gebäudetechnik GmbH die Planung der gesamten technischen Anlagen übernahm und ein energetisch wie brandschutztechnisch optimiertes Konzept entwickelte.

Für sichtbare bauliche Elemente wiederum zeichnete unter anderem die KGM Konstruktiver Glas- und Metallbau Zerbst GmbH verantwortlich, die Bartresen, Laufwege und Mobiliar erneuerte und teils originalgetreu rekonstruierte.

Für die Aufarbeitung der insgesamt 800 Quadratmeter Holzlamellen‑Paneelwände, die Erneuerung der Panoramabar sowie die Restaurierung sämtlicher Türen zeichnet der Tischlereibetrieb Maier Möbel verantwortlich. Alle Oberflächen wurden nach historischem Vorbild überarbeitet, sodass die originale Gestaltungssprache des Hauses erhalten bleibt. Gleichzeitig erfüllen die überarbeiteten Türen nun wieder zuverlässig und langlebig die Anforderungen des täglichen Kinobetriebs.

Das Berliner Unternehmen Room Division verantwortete zentrale Bereiche der Lichttechnik. Das Team erneuerte und ergänzte historische Lampen und Lichtobjekte – von der Golddecke im Foyer über die Matrixwand bis hin zum Kronleuchter der Panorama Bar und den Einbauleuchten im Saal – und führte ihre technische Ausstattung behutsam in die Gegenwart. Ergänzend installierte Room Division ein integriertes Lichtmanagementsystem mit DMX-, DALI- und KNX‑Steuerung. Alle Arbeiten entstanden in enger Abstimmung mit den Projektbeteiligten und unter besonderer Rücksicht auf den denkmalgeschützten Bestand.

Diese Firmen stehen exemplarisch für die Vielzahl an Betrieben, die mit handwerklicher Präzision und technischem Know-how an der Wiederbelebung des Hauses beteiligt waren.

Mit dem Grand Opening im März dieses Jahres und dem anschließenden regulären Spielbetrieb hat das Kino International seine Rolle als kultureller Treffpunkt zurückerobert. Zum Auftakt lief der Eröffnungsfilm „Marty Supreme“. Die ersten Tage markierten den Moment, in dem das Haus nach Jahren der Planung, Restaurierung und technischen Erneuerung wieder an die Öffentlichkeit zurückkehrte – sichtbar verwandelt, aber seinem Geist treu. Besucher erlebten erstmals den modernisierten Saal, die restaurierten Details und die neue technische Brillanz, die Premieren und Filmfeste künftig auf ein neues Niveau heben.

Die Resonanz war entsprechend groß: Viele nutzten die Gelegenheit, ihr altes Kino wiederzuentdecken, während Filmschaffende und Gäste aus Kultur und Politik die Wiedereröffnung als wichtiges Signal für die Zukunft des Kinos in der Stadt werteten. Heute, einige Wochen nach dem Grand Opening, zeigt sich, dass das Haus wieder ein Ort der Begegnung, der Filmkultur und der Erinnerung ist.

Über das Kino International 

Das Kino International an der Berliner Karl‑Marx‑Allee wurde 1963 eröffnet und zählt bis heute zu den wichtigsten Premierenkinos Deutschlands. Als markantes Beispiel der Nachkriegsmoderne steht es für die architektonischen und kulturellen Leitlinien der DDR. Die transparente Glasfassade, das großzügige Foyer und der charakteristische Saalbau spiegeln den Anspruch wider, Kino als öffentlichen und repräsentativen Ort zu gestalten. Innerhalb der städtebaulichen Struktur der Magistrale nimmt das Gebäude eine zentrale Rolle ein.

Über viele Jahrzehnte hinweg diente das Kino International als Veranstaltungsort für bedeutende Filmereignisse. Premieren, Festivals sowie politische und gesellschaftliche Veranstaltungen machten es zu einem festen Bestandteil der ostdeutschen Filmkultur. Zahlreiche wichtige Defa‑Produktionen wurden hier erstmals gezeigt. Auch nach 1990 blieb das Haus ein relevanter Ort für Filmschaffende und Publikum und behauptete seine Funktion als kultureller Treffpunkt.

Seit 1992 gehört das Kino International zur Yorck Kinogruppe, die den Betrieb kontinuierlich weiterführt und die historische Bausubstanz pflegt. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Haus zu einem modernen Kulturort, der historische Architektur mit zeitgemäßem Kinobetrieb verbindet. Heute steht das Kino International für ein kontinuierliches Filmprogramm, architektonische Qualität und eine überregionale kulturelle Bedeutung.

Feierliche Eröffnung

Der Eröffnungsabend im frisch sanierten Kino International wurde von zahlreichen Gästen aus Kultur, Politik und Filmbranche begleitet. In mehreren Reden wurde die historische Bedeutung des Hauses hervorgehoben, das seit Jahrzehnten ein zentraler Spielort der Berlinale ist. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner würdigte das Kino als „Ikone der Kinokultur“, während Filmjournalist Knut Elstermann seine Freude darüber ausdrückte, die Wiedereröffnung noch miterleben zu können. Zur Feier des Tages wurde ein neu geschnittener Kurzfilm zur Geschichte des Hauses gezeigt, in dem verschiedene Berliner Persönlichkeiten zu Wort kamen. Auch Schauspielerinnen und Schauspieler wie Paula Beer, Charly Hübner und Jannis Niewöhner betonten ihre besondere Verbindung zum Saal. Schauspielerin Maria Schrader überreichte als Laudatorin die Auszeichnung TREASURE OF EUROPEAN FILM CULTURE an die Yorck-Geschäftsführer Christian Bräuer und Heinrich-Georg Kloster.

Laudatorin Maria Schrader (m.) und Yorck-Geschäftsführer Christian Bräuer (r.) und Heinrich-Georg Kloster (l.)

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