Algier, 1938. Meursault, ein stiller, unauffälliger Angestellter Anfang dreißig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil. Am nächsten Tag beginnt er eine Affäre mit seiner früheren Kollegin Marie und kehrt in seinen gewohnten Alltag zurück. Dieser wird jedoch bald durch seinen Nachbarn Raymond gestört, der Meursault in seine zwielichtigen Machenschaften hineinzieht – bis es an einem glühend heißen Tag am Strand zu einem schicksalhaften Ereignis kommt.
François Ozon hat sich mit seiner Neuverfilmung von Camus’ „Der Fremde“ einen Stoff vorgenommen, der wie kaum ein anderer für existenzialistische Kälte und radikale Gleichgültigkeit steht. In strengem Schwarzweiß erzählt er die Geschichte von Meursault, der bei der Beerdigung seiner Mutter keine Träne vergießt und dessen Leben von einer fast provozierenden Abwesenheit von Emotionen geprägt ist – bis ein Mord am Strand alles ins Wanken bringt.
Benjamin Voisin verkörpert diesen Antihelden mit stoischer Ruhe. „Das Leben ist ein Theaterstück, in dem er nicht vorkommt...“, so Ozon über Mersault. Rebecca Marder bringt als Marie einen Hauch von Wärme ins Spiel, während Denis Lavant und Swann Arlaud die Nebenfiguren mit scharfem Profil versehen. Die Kamera setzt auf harte Kontraste: gleißendes Licht, tiefe Schatten, Bilder, die die innere Leere spiegeln.
Ozon bleibt nah am Geist Camus’, aber er macht den Stoff zugleich zu einem Film unserer Zeit: eine Geschichte über Entfremdung, über das Unvermögen, sich den Erwartungen der Gesellschaft zu beugen.
„Der Fremde“ erschien 1942 bei Gallimard in Paris und wurde sofort als literarische Sensation wahrgenommen. Trotz der Kriegszeit fand der Roman schnell Aufmerksamkeit und entwickelte sich zu einem der meistgedruckten französischen Werke des 20. Jahrhunderts.
Originaltitel: L'ÉTRANGER
Regie: François Ozon
Mit: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud uvw.
Produktion: Frankreich 2025
Lauflänge: 122 Minuten
Kinostart: 1. Januar 2026