Käthe Kollwitz und das Theater

Emil Orlik, Plakat zur Inszenierung von Gerhart Hauptmanns „Die Weber“ 1921 im Großen Schauspielhaus (Nachdruck des Plakats von Emil Orlik, 1897)
„Die ‚Penthesilea‘ haben wir noch nicht gesehen“

Mit der Sonderausstellung „Käthe Kollwitz und das Theater“ eröffnet das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin im ehemaligen Theaterbau des Schlosses Charlottenburg einen ungewohnten Blick auf die berühmte Grafikerin und Bildhauerin. Der Ort selbst, einst Bühne für höfische Aufführungen und später Schauplatz wechselvoller Nutzung, wird dabei zum Resonanzraum für ein Thema, das in der Kollwitz-Forschung bislang eher am Rand stand: die enge Verbindung der Künstlerin und ihrer Familie zur Welt des Theaters.

Käthe Kollwitz‘ Tagebucheinträge und Briefe an den auswärts studierenden Sohn Hans erzählen von einer Familie, für die Theaterbesuche ebenso zum Alltag gehörten wie politische Diskussionen oder künstlerische Arbeit. Käthe Kollwitz und ihre Familie haben in der fruchtbarsten Zeit der Berliner Theatergeschichte viele der innovativen Inszenierungen der damals großen Regisseure, wie Otto Brahm, Max Reinhardt und Leopold Jessner gesehen. Vom Naturalismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum expressiven Theater der 1920er Jahre wurde das Bühnengeschehen aufmerksam verfolgt und kommentiert. Auch Tanz, Konzert, Film und Kabarett waren feste Bestandteile dieses dichten kulturellen Kosmos.

Maria Solveg und Katta Sterna, die Nichten von Käthe Kollwitz, in: „Der Künstlerische Tanz“, Eckstein-Halpaus GmbH Dresden, Ohne Jahr
August Macke, Tänzer, 1914, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Die Ausstellung untersucht, welchen Einfluss diese intensiven Seherfahrungen auf das Werk von Käthe Kollwitz hatten. Auch wenn sie nicht unmittelbar für das oder im Theater arbeitete, durchziehen ihr OEuvre vielfältige Bezüge zu literarischen Stoffen, szenischen Situationen und dramatischen Verdichtungen. Diese überführte sie in eine eigene, unverwechselbare Bildsprache. Das Theater fungiert dabei weniger als konkretes Motiv, denn als gedanklicher Resonanzraum ihres künstlerischen Schaffens. Hochkarätige Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen, neu erschlossenes und digitalisiertes Archivmaterial sowie interdisziplinäre Perspektiven machen sichtbar, wie sehr das Leben der Familie Kollwitz in eine der produktivsten Phasen der Berliner Theatergeschichte eingebettet war. Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog, der diesen Dialog zwischen bildender Kunst und darstellender Kunst vertieft. Mit dieser Ausstellung setzt das Käthe-Kollwitz-Museum ein programmatisches Zeichen an diesem geschichtsträchtigen Standort – und erweitert den Blick auf eine Künstlerin, deren Werk aus der Auseinandersetzung mit ihrer Zeit lebte.

21. Februar 2026 bis 3. Mai 2026

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin
Spandauer Damm 10, 14059 Berlin

Schloss Charlottenburg – Theaterbau
Spandauer Damm 22, 14059 Berlin

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