Schönheit beginnt unter der Haut

Für den Dermatologen Professor Dr. Volker Steinkraus ist die Haut Kommunikationsorgan, Schutzschild, Signalgeber – und Spiegel unseres Lebensstils

Schönheit entsteht im Zusammenspiel von Idealen, Zeitgeist und Wahrnehmung. Was wir attraktiv finden, prägt unser Selbstbild, beeinflusst unsere Entscheidungen und spiegelt zugleich körperliches wie seelisches Wohlbefinden.

Das Deutsche Hygiene Museum Dresden hat seine Dauerausstellung um einen neuen Raum zum Thema „Bin ich schön!“ erweitert. Die Präsentation untersucht, wie Menschen heute Schönheit definieren und welche Rolle Körperpflege, Styling und Selbstinszenierung dabei spielen. Rund 100 Menschen aus Dresden und Umgebung haben persönliche Routinen, Erfahrungen und Gegenstände eingebracht. 32 ausgewählte Objekte – darunter Haarpflegeutensilien, modische Accessoires sowie Hilfsmittel wie ein individuell gestalteter Gehstock oder ein Bonnet zum Schutz von Afrohaar – bilden das Zentrum der Schau. Die Ausstellung erzählt anhand dieser Dinge Geschichten darüber, wie Menschen im Alltag mit ihrem Körper umgehen und welche Bedeutung Schönheit für sie hat. Die Frage nach der eigenen Schönheit begleitet uns ein Leben lang.
Kleine Kinder wissen instinktiv, was für sie schön ist und lassen sich nicht davon abbringen, im eigenen Stil in den Kindergarten zu gehen.

Manchmal ist es ein einziges Kleidungsstück, das schön macht, weil in diesem einem Moment alles zusammenpasst: Das Kleid zur Figur, die Farbe zur Haut, man selbst zu allem. Wir fühlen uns glücklich und stark.

Der Arzt und Autor Dr. med. Stéphane Stahl, Plastischer Chirurg und Schönheitsexperte, hat sich der Frage, warum wir dem Bann des Äußeren nicht entkommen, evidenzbasiert gewidmet. In seinem Buch „Wunderschön“ zeigt er u.a., wie unser Erscheinungsbild Karriere, Partnerwahl und Sympathien beeinflusst – und damit auch unsere Gesundheit und die Möglichkeiten für eine solche. „Ich möchte zeigen, dass Schönheit kein oberflächliches Thema ist, sondern tief in unserer Biologie, Psychologie und Gesellschaft verankert ist“, so Stahl. Er zeigt auf, wie Schönheit unser Leben prägt und wie befreiend es sein kann, diese Macht für sich selbst zu nutzen.

Schönheit wird oft mit makelloser Haut, perfekten Proportionen und idealen Gesichtszügen verbunden. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Was wir als schön empfinden, hat häufig mehr mit Gesundheit als mit Perfektion zu tun. Ein ausgeruhter Mensch wirkt frischer, eine ausgewogene Ernährung lässt Haut und Haare strahlen, und regelmäßige Bewegung sorgt für eine natürliche Ausstrahlung.

Schönheit beginnt in dem Moment, 
in dem du beschließt, du selbst zu sein.


Coco Chanel

Neue Dauerausstellung im Deutschen Hygienemuseum Dresden mit dem Thema „Bin ich schön!“ Die Schau untersucht, wie Menschen heute Schönheit definieren und welche Rolle Körperpflege, Styling und Selbstinszenierung dabei spielen

Stress hinterlässt Spuren

Auch die psychische Gesundheit spielt eine wichtige Rolle. Wer sich wohlfühlt, wirkt selbstbewusster und entspannter; dieses innere Gleichgewicht zeigt sich in Körpersprache, Haltung und Ausstrahlung. Gesundheit – körperlich wie seelisch – prägt, wie wir auftreten: Man bewegt sich freier, wirkt präsenter und signalisiert unbewusst „Ich bin da“. Stress hingegen hinterlässt Spuren: fahle Haut, Müdigkeit, Verspannungen. Und wer innerlich dauerhaft angespannt oder verbittert ist, trägt das oft sichtbar mit sich herum – die Stimmung sinkt, der Körper reagiert, und das spiegelt sich im Gesicht. Ein Kreislauf, der wenig mit dem zu tun hat, was wir gemeinhin als Schönheit verstehen.

Unser flächenmäßig größtes Organ steht dabei besonders im Fokus: die Haut. Rund um sie hat sich ein riesiger Markt entwickelt – von Fitnessstudios über Kosmetik- und Ernährungsindustrie bis hin zu Beautyfarmen und Kliniken. Doch um besser auszusehen und sich besser zu fühlen, braucht es oft weniger, als viele glauben.

Professor Dr. Volker Steinkraus, ehemaliger Spitzensportler und Dermatologe, plädiert dafür, die eigene Schönheit zunächst zu erkennen, zu verstehen und dann gezielt zu fördern. Für ihn ist die Haut nicht nur äußere Hülle, sondern „Kommunikationsorgan, Schutzschild, Signalgeber – und Spiegel unseres Lebensstils“. In seinem Buch „How to look better“ fasst Steinkraus vier Jahrzehnte Erfahrung als Arzt, Dermatologe und Wissenschaftler präzise und mit feinem Humor zusammen. Er denkt Schönheit neu: als Ausdruck von Gesundheit, Bewusstsein, Lebenskunst und Leichtigkeit. Seine zehn Maximen formulieren ein klares Mindset – und die erste, „Akzeptiere die Unvermeidbarkeit des Alters“, wirkt zugleich provokant, entlastend und erstaunlich befreiend.

Schönheit allein reicht nicht

Schönheit allein reicht nicht. Sie braucht Gesundheit, innere Balance und Frieden mit sich selbst. Ab einem gewissen Alter treten körperliche Wehwehchen stärker zutage, und oft wächst zugleich die Demut gegenüber dem eigenen Leben. Viele Menschen verspüren dann auch weniger den Wunsch, sich vermeintlichen Schönheitsidealen zuliebe operieren zu lassen.Die Gefahr ist außerdem, dass „Betroffene nach einem Eingriff nicht wirklich glücklicher sind, da sie spüren, dass mit dem Einzug von zu viel Artifiziellem auch zu viel Authentizität verloren gegangen ist“, so die Erfahrung von Steinkraus.
Letztlich zeigt sich, dass Schönheit und Gesundheit untrennbar miteinander verbunden sind. Wer auf seinen Körper und seine mentale Balance achtet, strahlt das auch nach außen aus. Wahre Schönheit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Wohlbefinden und ein gesundes Gleichgewicht – ein Zusammenspiel, das sichtbarer ist als jedes kosmetische Detail.
 

Barbara Sommerer

Ausstellung

„Bin ich schön!“
Deutsches Hygienemuseum Dresden
Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr
Eintritt: 12 € / ermäßigt: 6 € / bis 16 Jahre: frei
Gruppen und Führungen möglich.

Bücher

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