Ein kleiner Junge kniet mit gefalteten Händen im Raum. Erst beim Näherkommen offenbart sich, wen Maurizio Cattelan dargestellt hat: Adolf Hitler. Mit der Skulptur „Him“ schuf der italienische Künstler eines der kontroversesten Werke der Gegenwartskunst. Es ist auch Teil der Ausstellung Maurizio Cattelan. NIGHT, die derzeit in der Neuen Nationalgalerie zu sehen ist und erstmals eine große Einzelausstellung des Künstlers in Deutschland präsentiert
Seit den 1990er-Jahren zählt Maurizio Cattelan zu den international bekanntesten Vertretern der Gegenwartskunst. Seine Arbeiten greifen vertraute Symbole, Figuren und historische Bezüge auf und verschieben deren Bedeutung durch oft minimale Eingriffe. Dabei kreisen seine Werke um Themen wie Macht, Religion, Identität, Erinnerung und gesellschaftliche Autorität.
Die Ausstellung entstand im Rahmen des Preis der Nationalgalerie 2026 und vereint bekannte Arbeiten wie „Him“, „Novecento“, „La Rivoluzione Siamo Noi“ und „Untitled“ mit eigens für Berlin entwickelten Neuproduktionen. Im Mittelpunkt steht eine ortsspezifische Installation, die die Wahrnehmung des Museums und seiner Räume verändert.
Besondere Bedeutung kommt dabei der Architektur der von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Neuen Nationalgalerie zu. Das Gebäude dient nicht lediglich als Ausstellungsort, sondern wird selbst Teil der Inszenierung. Kunstwerk, Raum und Besucher treten in einen direkten Dialog.
In Berlin treffen Cattelans Arbeiten zudem auf eine Stadt, deren Geschichte von politischen Umbrüchen, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Debatten geprägt ist. Die Ausstellung nutzt diesen Kontext bewusst, ohne eindeutige Antworten zu liefern. Stattdessen eröffnet sie unterschiedliche Perspektiven auf historische Erfahrungen und deren Bedeutung für die Gegenwart.