Selbstporträt mit Zigarette

Elsa Thiemann, Berlin, die große Treppe im Freibad Wannsee, 1950er-Jahre, Bauhaus-Archiv Berlin
Eine Wiederentdeckung

Die Ausstellung Bauhausfotografinnen rückt jene Künstlerinnen ins Zentrum, die die visuelle Moderne entscheidend mitgeprägt haben, deren Namen jedoch lange kaum präsent waren. Ein Jahrhundert nach der Gründung des Bauhauses zeigt die Schau, wie vielfältig und experimentierfreudig der weibliche Blick auf Architektur, Alltag und Form war – und wie stark er das Bild des Bauhauses bis heute prägt.

Lucia Moholy, Marianne Brandt, Gertrud Arndt und Florence Henri gehören zu den Protagonistinnen der Präsentation. Moholys präzise Architekturfotografien machten das Bauhaus weltweit sichtbar; Brandt nutzte die Kamera als Labor für Licht- und Schattenexperimente; Arndt entwickelte mit ihren Maskenporträts ein frühes Spiel mit Identität und Inszenierung; Henri verband fotografische Strenge mit avantgardistischen Kompositionen. Ihre Arbeiten wirken überraschend zeitgenössisch, als hätten sie die Bildsprache der Gegenwart vorweggenommen.

Neben bekannten Aufnahmen zeigt die Ausstellung auch Kontaktabzüge, Studienmaterial und persönliche Dokumente. Sie geben Einblick in den Alltag am Bauhaus, der für Frauen offiziell offen war, in der Praxis aber oft von traditionellen Rollenerwartungen geprägt blieb. Gerade die Fotografie bot vielen Studentinnen Freiräume: technisch zugänglich, ästhetisch offen, noch nicht von männlichen Hierarchien besetzt.

Auffällig ist die Modernität der gezeigten Werke. Ungewöhnliche Perspektiven, radikale Ausschnitte, klare Linien – die Fotografinnen nutzten das Medium nicht nur zur Dokumentation, sondern als Experimentierfeld. Viele ihrer Ansätze fanden später Eingang in Werbung, Design und Modefotografie.

Bauhausfotografinnen zeigt damit ein Kapitel der Moderne, das lange unterbelichtet war. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eigenständig und innovativ die Beiträge dieser Künstlerinnen waren und wie sehr sie das visuelle Erbe des Bauhauses geprägt haben.

Bauhausfotografinnen 

Museum für Fotografie, 
Jebensstraße 2, 10623 Berlin

Bis 18. August 2026

Öffnungszeiten: Di. – So. 11 – 19 Uhr, Do. bis 20 Uhr

Eintritt: 12 € / ermäßigt 6 €

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