Wenn die ersten Blaubeerblüten aufgehen, beginnt für Hummelköniginnen und andere Bestäuber ein Wettlauf um Energie und die unscheinbaren Waldsträucher werden zur überlebenswichtigen Nahrungslieferanten.
Ende April, spätestens Anfang Mai, herrscht in den Heidelbeersträuchern lichter Wälder ein summendes Treiben. Zarte, grünlich weiße bis rosafarbene Blüten öffnen sich – und mit ihnen ein reich gedecktes Buffet für Hummeln, Wildbienen und andere Bestäuber. Was für Spaziergänger wie ein stilles Naturdetail wirkt, ist für viele Insektenarten ein wichtiger Start in die Saison.
Für Hummelköniginnen ist diese frühe Blüte sogar überlebenswichtig. „Die Blüten von Heidelbeeren sind insbesondere für Hummelköniginnen in der Nestgründungsphase eine überlebenswichtige Nahrungsquelle“, erklärt Dr. Hannes Petrischak von der Heinz Sielmann Stiftung. Zu diesem Zeitpunkt sind die Königinnen noch allein unterwegs: Sie müssen einen Nistplatz finden, Nahrung sammeln und gleichzeitig ihre erste Brut versorgen. Ohne energiereichen Nektar und eiweißhaltige Pollen wäre diese Mammutaufgabe kaum zu bewältigen.
Heidelbeersträucher liefern beides in großer Menge – und das zuverlässig. In den weitläufigen Waldgebieten der Tangersdorfer Heide und der Kyritz Ruppiner Heide bilden sie dichte Teppiche am Boden. Entsprechend intensiv ist dort das Treiben: Große Erdhummeln, die gefährdete Heidehummel oder spezialisierte Arten wie die Heidelbeer-Sandbiene profitieren besonders. Doch auch Schmetterlinge wie der Grüne Zipfelfalter oder Königinnen von Faltenwespen nutzen das frühe Nahrungsangebot, bevor sie ihre eigenen Staaten aufbauen.
Sobald bei den Hummeln die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, übernehmen diese die Nahrungssuche und erweitern den Radius deutlich. Die Königin bleibt dann im Nest und konzentriert sich auf die Eiablage. Während die Heidelbeere spätestens im Juni verblüht, sorgen andere Pflanzen der Heidelandschaften für nahtlose Versorgung. Im Spätsommer schließlich verwandelt die violette Blütenpracht der Besenheide die Landschaft in ein weiteres Paradies für Bestäuber.