Symbol und Wahrzeichen – 100 Jahre Berliner Funkturm

Der Funkturm gesehen vom Drachenberg bei Sonnenaufgang

Er war immer mehr als eine zweckgebundene Stahlkonstruktion. Er steht für die von Berlin ausgehende Entwicklung der Funktechnik und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt. Nach umfas­sender Sanierung feiert der Berliner Funkturm in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

Als sein Bau nach Plänen von Heinrich Straumer und Johannes Hahne 1924 beginnt, steht noch sein Vorgänger, ein Stahlgitter-Sendemast, neben der provisorischen „Radio-Messe-Halle“ aus Holz, die eigens für die 1. Große Deutsche Funkausstellung errichtet worden war.  Zur 3. Funkausstellung dann, am 3. September 1926, in diesem Jahr vor 100 Jahren, wird der Berliner Funkturm feierlich eingeweiht. Bewusst von Heinrich Strauer nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms gestaltet, ist der mit 138 Metern damals höchste Turm Berlins von da an Symbol für die stürmische Entwicklung der Funktechnik. Bereits ein Jahr später wird die Deutsche Welle mit Sitz in Berlin zum ersten überregionalen Zentralsender Deutschlands, dessen Programm die besten Sendungen der regionalen Rundfunkgesellschaften vereinigt. Mit dem „Haus des Rundfunks“ von Hans Poelzig entsteht schließlich zwischen Kaiserdamm und Avus 1931 die „Funkstadt Berlin“.

Anstreicher bei ihrer Arbeit auf dem Berliner Funkturm (1932)

Achtzig Funkausstellungen hat es bis heute in Deutschland gegeben, davon allein 69 auf dem Berliner Messegelände. Die Funkausstellungen folgten in jährlichem Rhythmus, wobei in den ersten Jahren vor allem Detektorgeräte und die neusten Rundfunkempfänger bei den Messebesuchern für Begeisterung sorgten.

Unterm Funkturm hielt Albert Einstein 1930 seine denkwürdige Eröffnungsrede: „Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen im Sinne der Völkerversöhnung…“ Und auch der Funkturm selbst setzte immer wieder technische Maßstäbe: 1932 erhielt er die Antenne für den weltweit ersten UKW-Sender und am 22. März 1935 wurde von ihm das erste Fernsehprogramm der Welt abgestrahlt. Bereits in den ersten Jahren gerieten die Funkausstellungen zu wahren Publikumsmagneten. Was Wunder, wenn auch der Funkturm davon profitierte: Ursprünglich lediglich als Antennenträger für den Hörfunk entworfen, erhielt er nachträglich ein auf 52 Meter Höhe installiertes zweigeschossiges Restaurant und eine Aussichtsplattform in 125 Metern Höhe. Wie am Eiffelturm lässt sich der Aufzug per Funk steuern, eine technische Besonderheit. In 33 Sekunden ist man oben. Das machte ihn schließlich für die Berliner auch abseits der Funkausstellungen zur angesagten Location.

Zwischen 1933 und 1939 übernahm der „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“ die Verantwortung für die Messe, sodass die Funkausstellungen zu Jubelfesten für die Nazis verkamen. 1935 zerstörte ein Großfeuer während der Ausstellung Sender und Restaurant, am Ende des Krieges wäre der Funkturm fast noch gestürzt. Aber eben nur fast: Auf drei Beinen hat er überlebt, während die Rundfunkindustrie völlig zusammengebrochen war. Fünf Jahre dauerte es, bis sich die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (ARD) gründen konnte. Nun wurden wieder Funkausstellungen organisiert, doch zunächst gingen sie auf Wanderschaft nach Düsseldorf und Frankfurt am Main. Nach Berlin unter den Funkturm kehrten sie erstmals 1961 zurück, wenige Tage nach dem 13. August, dem Bau der Berliner Mauer. Zurück kehrten auch die technischen Innovationen. Der Start des Farbfernsehens in der Bundesrepublik war die Sensation zur 25. Großen Deutschen Funk-Ausstellung 1967. Den berühmt gewordenen rote Knopf, mit dem Willy Brandt das Farbfernsehen symbolisch „eindrückte“, konnte man im ehemaligen Deutschen Rundfunkmuseum bestaunen, das unter dem Funkturm eingerichtet war. Es befand sich von 1967 bis 1997 im ehemaligen Sendergebäude mit der Dauerausstellung „50 Jahre Deutscher Rundfunk“. Nach einer letzten Sanierung 1987 zur 750-Jahr-Feier von Berlin verlor der Berliner Funkturm schließlich seine ursprüngliche Funktion. Ein Jahr vor der Wiedervereinigung wurden die letzten installierten Sendegeräte für die Rundfunk- und Fernsehübertragung abgebaut. Technisch gänzlich nutzlos ist er aber nicht. Auch heute wird der Berliner Funkturm noch als Sendemast für den regionalen Polizei- und Mobilfunk genutzt. Und für die Berliner hat er seine Attraktivität und Anziehungskraft – nach umfassender Sanierung im vergangenem Jahr – keineswegs verloren. Die Restaurierungsarbeiten im Vorfeld seines 100-jährigen Jubiläums umfassten unter anderem sowohl die Erneuerung des Stahlskelettanstrichs sowie die Modernisierung der Aussichtsplattform und des Funkturm-Restaurants. So bleibt der seit 1966 unter Denkmalschutz stehende Berliner Funkturm auch nach seiner langen Geschichte eine feste Adresse für die Berliner und für Touristen, die im nun wieder geöffneten Restaurant die großartige Aussicht auf die City West genießen können.

Blick vom Drachenberg im Grunewald

Doch seine geschichtliche Bedeutung allein ist es nicht, die den Berliner Funkturm so vertraut wie liebenswert macht. Schon von Weitem auf der Avus zu sehen, war und ist er vor allem für die West-Berliner Orientierung und das „Willkommenszeichen“ schlechthin, wenn sie in die Stadt fahren.

Reinhard Wahren

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