Der Alexanderplatz gleicht einem urbanen Zwischenzustand – einem Versprechen ohne Erfüllung, das zwischen Shoppingtempeln, Schnellrestaurants und Dauerbaustellen verharrt. Wo einst sozialistische Weitläufigkeit dominierte, wachsen heute gläserne Solitäre in den Himmel als Antwort auf eine neue Ära der Verdichtung und Vertikalisierung.
Der Platz ist ein Ort des ständigen Wandels ohne klare Richtung. Wer heute am Alex aus der U-Bahn steigt und den Blick hebt, sieht nicht nur das Park Inn Hotel, sondern eine Armada von Baukränen, die von einer Zukunft erzählen, in der der Alexanderplatz zur Hochhauszone wird. Im Zentrum dieser Transformation steht momentan das Covivio-Hochhaus – ein Projekt, das nicht nur die Skyline Berlins neu zeichnen wird, sondern dem Platz ein neues Gesicht geben soll.
Das französische Immobilienunternehmen Covivio plant direkt neben dem Park Inn ein Gebäude, das nicht nur durch seine Höhe auffallen wird, sondern vor allem durch seine Vielseitigkeit. Auf rund 60 000 Quadratmetern sollen Büros, Wohnungen, Geschäfte, Gastronomie und sogar eine Kita entstehen. Damit verfolgt Covivio die Idee eines „Mixed-Use“-Hochhauses, das arbeiten, wohnen und Freizeit unter einem Dach vereint. Besonders interessant ist der geplante „Garden-Club“ mit Terrasse, der als gemeinschaftlicher Treffpunkt dienen soll – ein Versuch, die oft anonymen Hochhauswelten mit Leben zu füllen.
Doch das Covivio-Hochhaus ist nur ein Teil eines größeren Plans. Der Alexanderplatz soll sich in den kommenden Jahren zu einem echten Hochhausquartier entwickeln. Neben Covivio entstehen weitere Projekte wie der Alexander Tower am Einkaufszentrum Alexa oder das Signa-Hochhaus an der Karl-Liebknecht-Straße. Die Stadt verfolgt damit das Ziel, den Platz, der lange Zeit als etwas unübersichtlich und wenig einladend galt, zu einem modernen Zentrum mit urbanem Flair zu machen. Für Neu-Berliner bedeutet das: Der Alexanderplatz wird nicht nur weiterhin ein Verkehrsknotenpunkt und Treffpunkt bleiben, sondern auch ein Ort, an dem man künftig wohnen, arbeiten und ausgehen kann. Die Mischung aus historischen Gebäuden wie dem Fernsehturm und den neu entstehenden Hochhäusern könnte den Alexanderplatz zu einem Symbol für das Berlin des 21. Jahrhunderts werden lassen. Die Bauarbeiten sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass Berlin wächst und sich verändert. Wer heute am Alexanderplatz vorbeikommt, sieht vor allem Baustellen, Beton und Kräne. Doch in einigen Jahren wird hier ein neues Stück Stadt entstanden sein. Ob sich daraus tatsächlich ein lebendiges Zentrum formt, das den Platz neu definiert, bleibt abzuwarten – und genau darin liegt die Spannung: Der Alexanderplatz erzählt von einer Zukunft, deren Gestalt wir erst noch erleben werden.
55 Jahre Park Inn – Ein Hotel schreibt Geschichte
Während rund um den Alexanderplatz neue Hochhäuser in den Himmel wachsen, feiert ein Gebäude ein Jubiläum, das seine besondere Rolle im Wandel des Platzes unterstreicht: Das unter dem Namen „Hotel Stadt Berlin“ 1970 eröffnete Haus, war damals das höchste Hotel der DDR und ein Prestigeprojekt, das Modernität und Weltoffenheit ausstrahlen sollte. Mit seiner klaren, rasterartigen Fassade und der markanten Höhe wurde es schnell zu einem visuellen Ankerpunkt – ein Gebäude, das man vom Alex aus nicht übersehen konnte. Über Jahrzehnte hinweg diente es als Treffpunkt, Aussichtsort und Symbol eines Platzes, der immer wieder neu gedacht wurde. Auch nach der Wiedervereinigung blieb das Hotel ein Fixpunkt im städtebaulichen Gefüge: modernisiert, umbenannt, aber weiterhin prägend für das Bild des Alexanderplatzes. Der 55. Geburtstag des Hausses erinnert daran, dass der Alex nicht nur ein Ort des ständigen Umbruchs ist, sondern auch einer, an dem Geschichte sichtbar bleibt mit einem Hotel, das Generationen von Gästen empfangen hat und bis heute die Skyline bestimmt.