Ende der Funkstille

Neues Geschäftsquartier in Oberschöneweide geplant
In Oberschöneweide wird "Funkytown" gebaut

Eine der größten Brachfläche im Südosten der Stadt liegt zwischen der Rummelsburger Landstraße und dem Funkhaus Berlin an der Nalepastraße. Aus diesem Gebäude funkte einst der legendäre DDR-Jugendsender DT64. Auf dem Nachbargrundstück befindet sich das ehemalige „Funkhaus Nalepastraße“, ein eindrucksvoller Klinkerbau, der 1952 nach dem Entwurf von Franz Ehrlich gebaut wurde. Bis 1990 hatte der Rundfunk der DDR seinen Sitz in dem Gebäude. 

Orange: Funkytown – Bestand & Neubau, Gelb: Bestand – Kunst, Kultur, Gewerbe, Blau: In Planung – Office, Gewerbe

Nun soll an die Stelle der DDR-Geschichte ein junges, hippes Geschäftsquartier in Oberschöneweide gebaut werden. Die Bauherren haben für ihr neues Quartier den Marketingnamen „Funkytown“ gewählt. So hieß ein Hit von 1979 der US-amerikanischen Gruppe Lipps.

Die Immobilien-Firma Trockland wird das Rundfunkgelände zwischen Nalepastraße und Rummelsburger Landstraße neu beleben. Acht Architekturbüros bauen Neubauten, die bestehende Bausubstanz wird revitalisiert. Das Quartier soll „Studios, Ateliers, Eventflächen und Gastronomie“ bieten, so die Initiatoren des Kultur- und Gewerbeprojekts. Der „Block-E“ von 1964 genannte Plattenbau wird modernisiert, denn er steht nicht unter Denkmalschutz. Schließlich ist die DT64-Zentrale ein Zeugnis der Ostmoderne. Sie steht seit drei Jahrzehnten leer, nachdem der Berliner Rundfunk 1991 abgeschaltet wurde. Die Sanierung des Bestandsgebäudes übernimmt das Büro AIP aus Leipzig. Die acht Neubauten werden zwischen dem Bestandsbau und der Rummelsburger Landstraße in einer Reihe gebaut. Wohnungen wird es nicht geben. Aber drei der Gebäude dienen als Hostel, Hotel und Serviced Apartments.

Die „Stations“ genannten Gebäude werden auf Grundlage eines städtebaulichen Konzepts von dem Architekturbüro KSP Engel gebaut. Die sieben beteiligten Architekturbüros sind Graft, Tchoban Voss und Grüntuch Ernst, Julian Breinersdorfer, Thomas Hillig, LAVA, und LXSY. Nachdem das Architekturbüro KSP Engel den Masterplan für das neue Quartier erstellt hatte, wurden die Häuser unter den Architekturbüros verlost. Ihre Aufgabe ist es, Gebäude zu entwerfen, die Hotel, Gastronomie, Gaming, Ateliers, Events, Bildung und Freizeit, miteinander vereinen. Die Firma Trockland kaufte das von Natur an der Spree umgebene Areal im Jahr 2022. Wo einst „Deutscher Demokratischer Rundfunk“ an der Fassade stand, soll bald der Schriftzug „The Next Episode“ prangen. Der 50 000 Quadratmeter große Komplex soll schon bis 2028 fertiggestellt werden. Bis dahin wird eine Dachterrasse mit Holzdielen und Polsterlandschaften dem Betongehäuse einen neuen, freundlicheren Charakter gegeben haben.

Sie sind mal mehr, mal weniger trapezförmig und bilden eine Zeile. Weil die Gebäude unterschiedlich hoch sind, entsteht eine Wellenform. Die Neubauten werden den Bestand überragen. Zwischen den „Stations“ wird es enge Wege geben, die auch als Sichtachsen dienen. Das Areal bleibt frei zugänglich. Sechs der Gebäude sind im Grundriss gleich, aber das Atelierhaus von Hillig Architekten und das Leonardo-Hotel, das KSP selber planen, sind singuläre Bauten.

Der Vorbesitzer des Grundstücks, die Firma Fortress, wollte auf dem Gelände lediglich schnöde Autohäuser und Waschanlagen bauen lassen. Der neue Entwurf einer „Funkytown“ verspricht da mehr urbanes Leben. “Gotta make a move – to a town that is right for me“ heisst es schließlich im Schlager „Funkytown“ treffend.

Ulf Meyer

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